Drehfrucht, Streptocarpus
Streptocarpus-Hybriden
Die Drehfrucht sorgt mit ihren fantastischen Blüten in der Wohnung für Furore. Hier finden Sie wertvolle Tipps zur Pflege von Streptocarpus-Hybriden.
Steckbrief
- Wuchstyp
-
- Staude
- Wuchshöhe
- von 15 cm bis 30 cm
- Wuchsbreite
- von 15 cm bis 25 cm
- Wuchseigenschaften
-
- aufrecht
- flachwüchsig
- rosettenbildend
- Blütenfarbe
-
- violett
- rot
- rosa
- weiß
- mehrfarbig
- Blütezeit (Monat)
-
- März bis April
- September bis Oktober
- Blütenform
-
- Trichter
- Blüteneigenschaften
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- leicht duftend
- Blattfarbe
-
- grün
- Blattform
-
- riemenförmig
- Blatteigenschaften
-
- immergrün
- Fruchtform
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- Kapsel
- Licht
-
- absonnig bis halbschattig
- Bodenart
-
- sandig bis lehmig
- Bodenfeuchte
-
- frisch bis mäßig feucht
- ph-Wert
-
- neutral bis schwach sauer
- Kalkverträglichkeit
-
- kalktolerant
- Nährstoffbedarf
-
- mäßig nährstoffreich
- Humus
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- humusreich
- Zier- oder Nutzwert
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- Blütenschmuck
- Winterhärte
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- frostempfindlich
- Klimazonen nach USDA
-
- 10
- Verwendung
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- Innenraumbegrünung
- Pflanzgefäße
- Gartenstil
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- Topfgarten
Herkunft
Drehfrucht (Streptocarpus) heißt eine Zimmerpflanze, deren Wildform in Süd- und Ostafrika, Madagaskar und Asien daheim ist. Dort wächst sie am Boden von tropischen Gebirgswäldern, teils auch kriechend auf steiniger Oberfläche. 130 Arten sind bekannt, sie kommen in ihrem Verbreitungsgebiet jeweils nur in kleinen Populationen vor. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit der hübschen Blütenpflanze in England gezüchtet und ausgelesen. Als Zimmerpflanzen gewinnen besonders neu gezüchtete Hybriden rasant an Popularität, einige schmücken als bunte Ampelpflanzen den schattigen Balkon. Streptocarpus ist mit den Usambaraveilchen verwandt und gehört wie diese zu den Gesneriengewächsen (Gesneriaceae).
Wuchs
Die Gattung wird meist unterteilt in drei unterschiedliche morphologische Formen: Lang gestielte Vertreter mit festen Blättern sind anspruchsvoll und wenig im Handel vertreten. Gleiches gilt für einblättrige Streptocarpus-Vertreter, deren hohe Blütenstände an Schmetterlingsorchideen erinnert. In Kultur als Zimmerpflanzen sind vor allem rosettenbildende, um 30 Zentimeter hohe Drehfrucht-Hybriden, die kompakt wachsen, unkompliziert und immergrün sind. Die Blätter entspringen aus einem dicken Wurzelhals. Vor allem moderne Züchtungen kommen auch mit trockener Zimmerluft besser zurecht als ihre wilden Ahnen.
Blätter
Ähnlich wie bei der Primel sind die riemenförmigen, bis 30 Zentimeter langen und 10 Zentimeter breiten Laubblätter der Drehfrucht grundständig in einer Rosette angeordnet. Sie haben keinen Stängel und besitzen eine ledrige, leicht behaarte Oberfläche.
Blüten
Blau-, Violett- und Rotnuancen, dazu Rosa und Weiß – die Farbpalette der Streptocarpus-Hybriden kann sich sehen lassen. Als Zuckerl obendrauf gibt’s auch noch zweifarbige, gekrauste und gefüllte Blüten mit teilweise fantastischen und atemberaubenden Zeichnungen im Kelch oder auf den Blütenblättern. Asymmetrisch sind die an bis zu 25 Zentimeter langen Stielen sitzenden Trichterblüten geformt, sie sind aus einer fünfzähligen Krone zusammengesetzt. Zwischen März und April sowie zwischen September und Oktober kann man sich an den Blüten der Drehfrucht erfreuen. Einige von ihnen verströmen einen intensiven süßen Geruch, der an Honig erinnert.

Einige Drehfrucht-Hybriden beeindrucken mit mehrfarbigen Blüten, wie hier Streptocarpus ‘Harlequin Blue’
Früchte
Der Gattungsname Streptocarpus verweist auf die spiralig in Längsrichtung gedrehten Fruchtkapseln. Wie Springkraut entladen sich die Kapseln mit der Samenreife. Die angebotenen Hybriden sind allerdings steril: Das ist auch das Geheimnis der langen Blüte.
Standort
Ganzjährig hell und warm möchten die Streptocarpus-Hybriden stehen, ideal sind 20 bis 25 Grad Celsius in der Vegetationszeit – am besten an einem hellen Ost- oder Westfenster. An einem Südfenster können die Blätter leicht verbrennen. Erwünscht ist auch eine hohe Luftfeuchtigkeit, wobei die Züchter auch hier inzwischen sehr viel tolerantere Vertreter hervorgebracht haben. Auch auf der geschützten Terrasse kann man die Drehfrucht in die Sommerfrische schicken. Viel zu oft landet die hübsche Pflanze nach der Blüte auf dem Kompost, dabei lässt sie sich an einem hellen Fenster nicht unter 15 Grad Celsius bei verringerten Wassergaben gut überwintern.
Substrat
Ein hochwertiges Zimmerpflanzensubstrat mit einem pH-Wert um sechs eignet sich gut für die Drehfrucht. Wer das Substrat selbst herstellen will, verwendet eine durchlässige Mischung aus Sand, Humus und Lauberde.
Gießen
Weiches, zimmerwarmes Wasser verträgt Streptocarpus am besten. Bitte beim Gießen möglichst nicht die Blätter benetzen, sonst entstehen Blattflecken! Vor der nächsten Wassergabe darf gern die Substratoberfläche etwas antrocknen. Bitte nie das ganze Substrat austrocknen lassen, das führt zum Absterben der Feinwurzeln. Wasser aus dem Übertopf sollte man zügig abgießen, denn Staunässe kommt nicht gut an. In der winterlichen Vegetationsruhe fährt man die Wassergaben etwas herunter, ab März wieder herauf.
Düngen
In der Vegetationszeit bekommt die Drehfrucht alle zwei bis vier Wochen niedrig dosierte "Nahrung" in Form von Flüssigdünger mit hohem Kalium- und Phosphoranteil, problemlos ist auch ein Düngestäbchen. Wichtig ist, dass das Substrat nicht überdüngt ist. In der Ruhezeit zwischen Oktober und Februar wird das Düngen eingestellt.

Zum Düngen der Drehfrucht empfiehlt sich Flüssigdünger, der mit dem Gießwasser verabreicht wird
Umtopfen
Für einen frischen Topf ist die Zeit im Frühjahr gekommen, allerdings nur wenn der Wurzelballen gut durchwurzelt ist. Der Flachwurzler mag breite und flache Töpfe.
Schneiden
Verblühte Stiele der Drehfrucht sollte man zeitnah entfernen, damit immer wieder neue Blüten nachtreiben. Auch selbstreinigende Vertreter profitieren von der Maßnahme.

Verblühtes sollte man bei der Drehfrucht regelmäßig entfernen
Sorten
Die Anzahl der Sorten oder gar Serien ist mittlerweile fast unüberschaubar. Vertreter der Streptocarpus-Serie ‘Crystal’ blühen inzwischen zwölf Monate im Jahr. Veilchenblau ist ‘Spirit’ gefärbt. Reinweiß leuchtet die Sorte ‘Bianca’. In unterschiedlich intensiven Rosé-Tönen bestechen ‘Rosanna’ und ‘Princesse’, beide mit dunklerer Zeichnung. Bei den Violett-Vertretern stechen ‘Menai’ und ‘Heidi’ hervor. Rotblühend sind die dunkelrote ‘Ambiente’ und die kirschrote ‘Ronja’. Achtung, es besteht Suchtgefahr!
Vermehrung
Gute Erfolge bei der Vermehrung der Drehfrucht erzielt man mit Blattstecklingen, ähnlich wie bei der Begonie. Dafür entfernt man im Frühling von jungen, aber ausgewachsenen Blättern die Mittelrippe mit Schere oder Messer. Dann steckt man sie mit der Schnittfläche nach unten hochkant in die Anzuchterde. Noch mehr Jungpflanzen kann gewinnen, wer aus dem Blatt etwa drei Zentimeter breite Abschnitte quer zur Mittelrippe herausschneidet, Spitze und Grund werden nicht verwendet. Für die dritte Variante legt man ein Blatt flach auf das Anzuchtsubstrat, fixiert es vorsichtig und schneidet die Mittelrippe im Abstand von etwa zwei Zentimetern mehrmals ein.

Vermehren lässt sich die Drehfrucht (Streptocarpus) durch Blattstecklinge
Vorteilhaft ist in allen Fällen ein Anzuchtgefäß, das man mit durchsichtiger Folie oder Ähnlichem abdecken kann, um die Luftspannung hoch zu halten. Bis zu acht Wochen muss man warten, bis sich bewurzelte Streptocarpus-Kinder zeigen. Sind die etwa einen Zentimeter groß, wird jedes vorsichtig in einen eigenen Topf verpflanzt.
Krankheiten und Schädlinge
Schlechte Kulturbedingungen machen die Drehfrucht anfällig für Mehltau, Thripse oder Wollläuse.